Über mich


Der mit Abstand unbeliebteste Beruf in Deutschland ist der des Versicherungsvertreters.
Selbst der Politiker hat hier ein besseres Ansehen. Aber warum eigentlich?

Ich glaube, dass die meisten Menschen noch immer das Bild des Herrn Kaiser vor Augen haben, den Prototypen des Versicherungsverkäufers, der sich mit seinem Aktenkoffer ungefragt durch das Wohngebiet klingelt. Aber im Ernst, wann stand bei Ihnen zuletzt ein „Versicherungsmensch“ ohne Termin vor der Haustür? Nun, bei uns in Altenberge müssten Sie sich dann eher vor Morgengold oder Bofrost fürchten. Ich persönlich finde das aber gar nicht schlimm. Es ist doch nichts Verwerfliches daran, wenn mir jemand zum Frühstück einen „Frische-Brötchen-Service“ in Aussicht stellt. Ich kann mich dafür oder auch dagegen entscheiden. Warum dann nicht auch beim kostenlosen Versicherungscheck?

Erste Berührungspunkte

Im ersten Jahr meines Fachabiturs haben wir uns mit der Klasse zum sogenannten Berufsinformationszentrum begeben. Wir sollten herausfinden, welches Berufsbild uns interessiert, um uns später darauf bewerben zu können. Der „Versicherungskaufmann“ hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Bis dato war mir nicht bewusst, mit welchem Image und wie vielen Vorurteilen die Branche belegt ist. Ich nahm das Thema „Versicherung“ also völlig rational an.

Ich verstand sofort, wie wichtig die Versicherungsbranche als Wirtschaftszweig ist und dass die Welt ohne Versicherungen nicht funktionieren kann. Der Brand einer Lagerhaller samt Inhalt könnte für viele Unternehmen das wirtschaftliche Aus bedeuten, wenn sie sich für einen solchen Fall nicht versichern könnten. Das ist bei privaten Haushalten nicht anders. Oder was würden Sie machen, wenn Ihr für 350.000€ finanziertes Haus morgen abbrennen würde?

Die Ausbildung

Nur eine Bewerbung, ein Vorstellungsgespräch, ein Assessmentcenter und sofort eine Zusage, und das mit einem mittelmäßigen Zeugnis, dachte ich mir. Anscheinend konnte ich gut quatschen. Das ist ja eine wesentliche Grundvoraussetzung für diesen Beruf. Jetzt konnte es losgehen.

Eine bessere Ausbildung als die beim R+V Service Center in Münster hätte ich mir nicht vorstellen können. Statt Kopieren und Kaffee kochen, wurden wir hier relativ früh ins kalte Wasser geworfen, denn die ersten „Live-Calls“ standen an. Ich durfte also mit echten Kunden telefonieren, unterstützt von der netten Ausbilderin. Der erlernte theoretische Teil aus der Berufsschule wurde mit der täglichen Praxis perfekt kombiniert. Nach spätestens zwei Jahren fühlte ich mich wie ein fertiger und vollwertiger Mitarbeiter, auch wenn ich natürlich noch immer etwas Welpenschutz genossen habe.

Es gab aber einen wesentlichen Nachteil, ich durfte nicht wie ich wollte. Das Problem lag aber nicht beim Vorgesetzten oder dem Unternehmen selbst, sondern bei mir. Ich verspürte den Drang, die Leute vernünftig aufzuklären und zu beraten, obwohl das der Job der Außendienstkollegen und Mitarbeiter der Volksbank ist. Die Gesprächsdauer war also für den Zweck einer zügigen Erledigung (Auskunft oder Weiterleitung an den Fachbereich) zu lang. Also musste ich gegen meine Natur anarbeiten und 60-80 Gespräche pro Tag annehmen und so kurz wie möglich führen. Deshalb kam bei mir relativ früh die Frage auf: „Willst du das die nächsten 45 Jahre machen?“. Die Antwort darauf fiel sehr deutlich aus. Also fasste ich nur ein Jahr nach der Ausbildung meinen ganzen Mut zusammen und ging mit einem unterschriebenen Kündigungsschreiben zu meinem damaligen Teamleiter, um ihm zu sagen, dass ich mich demnächst selbstständig mache. Den Wechsel seines Gesichtsausdrucks habe ich bis heute nicht vergessen.

Der Job als Verkäufer

Ab in die große weite Welt. Endlich beim Kunden persönlich sitzen und die Arbeit machen, die ich so sehr schätze: Das Hab und Gut der Menschen finanziell absichern, sie vor Einkommensverlusten bei Berufsunfähigkeit schützen und sie mit dem Sparen auf das Alter vorbereiten. Passt!

Aber ohne Vertriebserfahrung, ohne Standing und ohne Kundenstamm die Welt zu verbessern, war für mich bis dato die größte Herausforderung in meinem Leben. Also gab es für mich nur eine Möglichkeit: Die Flucht nach vorne.

Ausgestattet mit Fachwissen, Freundlichkeit und einer ordentlichen Portion Bewusstsein, den Leuten etwas Gutes zu tun, machte ich etwas, was mir heute vermutlich schwerer fallen würde: „Kaltakquise“

Nicht irgendwo, sondern im persönlichen Umfeld. Alte Schulkollegen, Fußballkameraden und Familienmitglieder sollten von meiner Arbeit erfahren. Schnell entwickelte sich ein Wechselbad der Gefühle. Ablehnung und fehlende Akzeptanz zum einen, Abschlusserfolge, zufriedene Gesichter und Weiterempfehlungen zum anderen. Quote: 50:50

Eigentlich ganz gut, wie ich finde. Die negative Hälfte bereitete mir allerdings Kopfschmerzen und stritt sich ständig mit der anderen Hälfte um meine Motivation. Erst die Zeit sorgte für einen gesunden Puls.

Karriere

Wenn ich das kann, dann können das andere bestimmt auch. Ich muss ihnen nur zeigen wie.
Das Weitergeben von Erfahrung und Erlerntem, wieder so eine Sache die mir Freude bereitete.

Aus Trainees wurden gestandene Berater. Hier war die Quote allerdings weitaus schlechter. Einige konnten es nicht, andere wollten es nicht.

Nach 3 Jahren dann endlich die Beförderung zum Teamleiter, der ersten richtigen Führungsposition, und ein weiteres Jahr später eine weitere Beförderung. Spaß, Einkommen, Anerkennung, was will man mehr.

Es gab aber auch Zeiten, wo es nicht so gut lief. Viel Arbeit, wenig Spaß und wenig Einkommen.

Zeiten, in denen man sich und die Arbeit hinterfragt. „Nicht den Kopf in den Sand stecken, einfach weitermachen“, heißt es dann ja oft. Das ist auch richtig. Die Frage ist nur: „Wie mache ich weiter, wo und mit wem?“. In einer solchen Phase fing ich an, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Kenne ich die Branche wirklich so gut, wie ich immer behaupte? Sind die Produkte und Tarife wirklich die besten am Markt oder könnte ich den Stand meiner Kunden nochmals optimieren? Und wie ist es mit dem eigenen Einkommen, kann ich mich hier auch verbessern?

Heute

Drei Schritte zurück reichen manchmal aus, um glücklich zu sein. Kundenberatung und Unternehmensaufbau parallel bereitete mir irgendwann Stress. Ständig für die Partner erreichbar zu sein und Seminare am Wochenende waren nicht mehr meine Welt, denn ich wurde Familienvater.

Heute leite ich meine Versicherungsmakleragentur in Münster-Nienberge. Ich berate und betreue etwas über 300 Kunden und werde dabei von netten und kompetenten Kooperationspartnern, einschließlich meiner Assistentin, unterstützt. Menschliche Arbeitszeiten und am Wochenende frei, um Zeit für sich und die Familie zu haben. Etwas Besseres kann ich mir nicht vorstellen.

Die Versicherungsbranche ist weiter im Wandel und wird noch sicherlich einige Überraschungen für uns Kunden und Berater bereithalten. Das wird mich aber nicht davon abhalten, meinen Job genauso leidenschaftlich auszuüben wie vor 15 Jahren.